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5 Jahre selbstständig – eine schonungslos-ehrliche Bilanz

 

Beim Blick auf den hochgefahrenen Rechner heute morgen sprang mir das Datum ins Gesicht. Ich hatte es nicht kommen sehen, aber heute bin ich 5 Jahre selbstständig!

Ich dachte, zur Feier des Tages ziehe ich mal schonungslos-ehrlich Bilanz und schreibe auf, welche Fehler ich gemacht habe und was ich aus ihnen gelernt habe. Achtung Spoiler: Es waren viele! Vielleicht kann ich dir mit meinen Erfahrungen dabei helfen, einige von ihnen zu vermeiden.

Als ich Mitte Januar 2016 in die Selbstständigkeit gestartet bin, passierte das alles andere als gut geplant. Ich hatte nach der Geburt meines ersten Kindes einen schwierigen Wiedereinstieg in meinen Job als Pressesprecherin und war ziemlich unglücklich. Im Dezember 2015 habe ich dann einen wichtigen Menschen in meinem Leben verloren, der mich zuvor ermutigt hat, hinzuschmeißen, was mir im Leben nicht gut tut und den Schritt in die Unabhängigkeit zu wagen. Also machte ich es.  Hals über Kopf.

 

 

 

Learning Nr. 1: Der Start in die Selbstständigkeit will geplant sein

 

Dank eines guten Netzwerks hatte ich von Anfang an gut zu tun und mein Einkommen reichte von ersten Tag aus, um meine Rechnungen zu bezahlen. Aber weil alles so schnell ging, hatte ich mir vorher keine Gedanken darüber gemacht, wie ich mich mit meinen Angeboten am Markt positionieren wollte. Nicht mal darüber, was mein Angebot konkret sein sollte oder wer es buchen sollte. Ich war Journalistin und später Pressesprecherin, also wollte ich schreiben.

Für wen?

Ich entschied mich erstmal für alle.

Worüber?

Erstmal über alles.

Es hat funktioniert. Aber es brachte mich auch nicht weiter in meiner Entwicklung. Wenn heute nochmal vor dem Schritt in die Elbstständigkeit stehen würde, dann würde ich auf jeden Fall Zeit investieren, um mit einem Plan zu starten. Auch wenn ich schnell an die ersten Aufträge gekommen bin, kam ich irgendwann an den Punkt, an dem ich Kund*innen akquirieren musste – und hatte keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte.

Ich wusste nicht, wie ich meine Zielgruppe erreichen konnte und an wen ich mein Marketing richten sollte – ich hatte ja gar keine Zielgruppe. Hätte ich vorher überlegt, für wen meine Angebote sind, hätte ich diese Menschen ganz gezielt ansprechen und für meine Leistungen werben können. So war es nur ein Stochern in einer trüben Suppe.

Das hab ich zum Glück schnell erkannt und an meiner Positionierung gefeilt. Heute habe ich eine klar definierte Zielgruppe, der ich mit meinen Angeboten weiterhelfen kann. Ich weiß, welche Probleme meine Zielkund*innen mit dem Texten haben, welche Sorgen sie umtreiben und welche quälenden Gedanken in Bezug auf mein Expertenthema sie nachts wachhalten.

So weiß ich, wie ich texten muss, damit sie sich verstanden fühlen und ich sie davon überzeugen kann, dass sie die Lösung für ihr Problem bei mir finden. Genau so mache ich es auch mit den Texten, die ich im Auftrag meiner Kund*innen schreibe.

 

Learning Nr. 2 – Eine Website ist nicht der erste Schritt

 

Wie so viele andere Gründer*innen dachte ich, dass ich sofort und zu allererst eine Website brauche. Also habe ich den Fehler gemacht, den viele andere Selbstständige machen. Ich ging zu einem befreundeten Webdesigner, der mir eine schöne Website erstellte. Viel mehr als “schön” war sie dann leider auch nicht. Denn ohne eine Zielgruppe und eine Positionierung nützt dir die schönste Website leider nichts. Niemand wird sich von dir angesprochen fühlen. Die Texte treffen bei den Leser*innen keinen Nerv. Zum Glück hatte ich dank Empfehlungen von zufriedenen Kund*innen immer mehr als genug Aufträge, da war es nicht so schlimm, dass ich über die Website – wen wundert es – keine einzige Anfrage bekam.

Heute gewinne ich mit meiner Website Kund*innen. Sie finden mich online, weil sie mich bei Google auf Seite 1 finden, wenn sie nach einer Texterin in Köln suchen. Wenn sie sich bei mir melden, muss ich meistens keine langen Informationsgespräche mehr führen.

Weil die Neukund*innen schon auf meiner Website waren, wissen sie, was sie von mir erwarten können, wie ich arbeite, wie eine Zusammenarbeit abläuft und vor allem haben sie erfahren, wie viel meine Leistungen kosten. Damit entfallen auch Preisverhandlungen, denn die Kund*innen, die anrufen, sind bereit, meinen Preis zu zahlen.

 

Learning Nr. 3 – Man selbst sein und sich zeigen, wie man ist

 

Ich dachte, wenn ich offiziell meine Leistungen an Kund*innen verkaufe, dann muss ich seriös rüberkommen. Also siezte ich die Leser*innen auf meiner Website, obwohl sich das nicht richtig für mich anfühlte. Nachdem ich erst überlegt hatte, mich gar nicht zu zeigen, rang ich mich zu einem daumennagelgroßen Porträt auf meiner Über-mich-Seite durch.

Persönlichkeit? Fehlanzeige.

Heute weiß ich, dass meine Website davon lebt, dass ich mich persönlich zeige. Dass die Leser*innen ein Gefühl dafür kriegen, ob sie mit mir zusammenarbeiten wollen, ob ich ihnen sympathisch bin. Sie wollen wissen, wofür ich stehe und ob ich ihre Werte teile. Da ich mich auf meiner Website nicht mehr verstelle, ziehe ich praktischerweise genau die Kund*innen an, auf die ich Lust habe und die ich mir für eine Zusammenarbeit wünsche. Das war ein echter Aha-Moment.

Heute sagen mir Kund*innen manchmal, dass sie mich auf meiner Über-mich-Seite sympathisch fanden und deshalb zum Hörer gegriffen haben oder das Kontaktformular ausgefüllt haben. Es hat sich gelohnt, etwas mehr von mir zu zeigen und die Angst vor der Sichtbarkeit abzulegen.

 

Learning Nr. 4 – Den Bauchladen abschnallen

 

Ich war eine eierlegende Wollmilchsau. Ich habe Pressemitteilungen geschrieben, Zeitungsredaktionen abgeklapert, um ihnen im Namen großer Marken bestimmte Themen anzubieten, Werbeanzeigen getextet, Katalogtexte verfasst, Reden geschrieben und Flyer lektoriert.

Das war zwar abwechslungsreich und hat auch funktioniert. Aber ich konnte nie wirklich besser werden, keinen Expertenstatus aufbauen. Also habe ich meine Leistungen radikal abgespreckt. Heute besteht mein Kernangebot nur noch aus zwei Dienstleistungen: Ich konzipiere und verfasse authentische Website-Texte und schreibe redaktionelle Blogartikel. In diesen Bereichen bilde ich mich ständig weiter. Ein weiterer Vorteil der Spezialisierung ist, dass man auch immer schneller wird, wenn man eine Sache richtig gut kann. Man entwickelt Routine.

Mit wachsender Expertise auf meinem Gebiet kamen auch die spannenden Kund*innen. Und das Beste daran: Sie kamen von plötzlich nicht mehr nur durch meine Akquise, sondern wil sie online auf mein Angebot aufmerksam geworden sind. Mit ihnen darf ich an vielen spannenden Projekten arbeiten und das macht mich sehr glücklich. Meine Arbeit ist immer noch hochgradig abwechslungsreich.

Ich darf spannende Beiträge für einen großen Reiseblog schreiben, redaktionelle Blogartikel wie diesen texten, die Leser*innen weiterhelfen und interessante Menschen bei ihrer aussagekräftigen und verkaufsstarken Website helfen.

 

Learning Nr. 5 – Sich weiterbilden – aber mit Fokus

 

Das, was ich in Learning Nr. 4 geschrieben habe, gilt auch in Bezug auf die Weiterbildung. Da es nicht darum geht, möglichst viel anzubieten, um möglichst viele Kund*innen bedienen zu können, solltest du dich in dem Bereich weiterbilden, in dem du richtig gut werden willst.

Ich dachte damals, dass doch eine tolle Idee wäre, wenn ich meinen Kund*innen anbiete, meine Texte auch gleich in ein ansprechendes Design zu kleiden und machte nebenbei eine Weiterbildung zur Grafikdesignerin. Heute frage ich mich, wie ich überhaupt auf die Idee kommen konnte und warum ich dachte, jemand würde mich dafür buchen.

Ich bilde mich hauptsächlich in meinem Expertengebiet fort. Dafür investiere ich grundsätzlich eine recht große Summe und nach vielen Seminaren und Workshops zu den Themen Copywriting und SEO war meine letzte Weiterbildung die zur Content-Marketing-Managerin. Sie hat mich in meiner Arbeit als freie Texterin ein ganzes Stück weitergebracht.

Daher mein Tipp: Schnall deinen Bauchladen ab und packe deine Leistungen allenfalls in ein kleines Hipback (heißen die Dinger noch so, die in den 90ern so schick waren und jetzt wieder in sind?).

 

5 Jahre selbstständig als freie Texterin – mein Fazit

 

Rückblickend glaube ich, viele Fehler gemacht zu haben, die wohl zu den Klassikern bei Selbstständigen gehören. Aber ich kann gut mit ihnen leben, weil ich immer neugierig war, über den Tellerrand geschaut habe und an mir und meinem Mindset (entschuldigung für dieses Wort, ich hasse es, aber mir fällt gerade kein passenderes ein) gearbeitet habe.

Jeder Fehler hatte eine Konsequenz und meistens war es die, dass ich aus ihm gelernt habe. Es hat sich viel getan seit meinem Start vor fünf Jahren. Ich blogge jetzt, ich arbeite nicht mehr von zuhause, sondern habe ein Büro (mit tollen Kolleginnen), ich arbeite endlich mit einer Buchhaltungssoftware anstatt alles “zu Fuß” zu machen, habe mich nach langem Widerstand zu Social Media durchgerungen (zu meinem Erstaunen macht es mir Spaß!) und vieles, vieles mehr.

Ich empfinde genau das den Luxus an der Selbstständigkeit. Hinfallen, aufstehen, Mund abwischen und weitermachen. Es  besser machen. Nichts ist in Stein gemeißelt und die Möglichkeiten, mental und beruflich zu wachsen, sind unbegrenzt. Deshalb würde ich meine Selbstständigkeit für kein Geld der Welt mehr aufgeben.

 

Und noch ein Tipp: Mach große Pläne!

 

Mir ist das anfangs sehr schwer gefallen, aber trau dich, groß zu denken. Was möchtest du gerne in deinem Business erreichen? Wo möchtest du hin? Plane im Voraus und glaub daran, dass du deine Ziele erreichen kannst.

Ich selbst habe auch noch viel vor und befinde mich gerade mitten auf der Reise. Mein Ziel für 2021 ist mein erster eigener Onlinekurs. Ich möchte Selbstständigen und kleinen Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich zeigen, wie sie Schritt für Schritt ihre eigenen, authentischen Website-Texte schreiben, die verkaufen. Daran arbeite ich gerade. Bald gibt es übrigens eine Warteliste für den Kurs. Wenn du Interesse hast, verbinde dich mit mir auf Instagram!

Welche Erfahrungen hast du in der Selbstständigkeit gemacht?

Was waren deine größten Learnings?

Schreib mir in die Kommentare!

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